Kind und Jugend

Kind und Jugend » News » Erfolgreich in den Markt mit dem…

Erfolgreich in den Markt mit dem Kids Design Award – Folge 4: Talkrunde: Welche Kindermöbel braucht der Markt?

Die Kind + Jugend fördert innovative Kindermöbel-Konzepte und bringt Designer und Hersteller zusammen. Doch welche Bedeutung hat Design im Kinderzimmer überhaupt? Wohin geht der Trend? Was erwartet der Markt? Über diese Fragen diskutieren der Bremer Designer Jannis Ellenberger, dessen modularer Entwurf mit dem Kids Design Award 2014 ausgezeichnet wurde, der Kölner Kindermöbelhersteller Jörg de Breuyn und Thomas Postert, Projektmanager Kind + Jugend bei der Koelnmesse.

Kind + Jugend 2014

Kind + Jugend 2014

Mit seinem preisgekrönten Design hat Jannis Ellenberger Möbel vorgestellt, die für Kinder und für Erwachsene konzipiert sind. Ist das der aktuelle Trend bei Kindermöbeln?

Jannis Ellenberger: Die Grundlage meines Möbelsystems ist die Beobachtung, dass sich kleinere Kinder am liebsten direkt bei ihren Eltern aufhalten. Das ist kein Trend, sondern ein Grundbedürfnis. So entstand der Ansatz, beide Bereiche zusammen zu bringen.

Jörg de Breuyn: Integrierte Möbelsysteme für Kinder und Erwachsene sind für mich weniger ein eigener Trend, sondern eine neue Variante der Entwicklung hin zum integrierten Wohnen – dies kann man eher als den gesellschaftlichen Trend bezeichnen. Eltern und Kinder verbringen heute weniger Zeit zusammen. Doch diese gemeinsame Zeit wird immer wichtiger. Daher auch die Neigung, Kindermöbel in den Wohnbereich zu integrieren…

Thomas Postert: Offene Grundrisse sorgen für eine zunehmende Vermischung der Lebensbereiche von Kindern und Eltern. Wohnzimmer und Kinderzimmer wachsen immer mehr zusammen. Die Ästhetik soll daher möglichst auch dem individuellen Geschmack der Eltern entsprechen. Dafür bieten die Hersteller mittlerweile eine große Palette verschiedener Designs an.

Welche weiteren Trends beobachten Sie denn aktuell?

Thomas Postert

Thomas Postert

Thomas Postert: Ein weiterer wichtiger Trend ist die zunehmende Digitalisierung des familiären Alltags. Das betrifft nahezu   alle Angebotssegmente für Kinder. Beim Spielzeug, aber auch im Bereich Heimvernetzung tut sich da einiges: Babyphones laufen über Smartphone-Apps; mit digitaler Technik ausgerüstete Matratzen überwachen den Schlaf und die Atmung der Kinder.

 


Welche Bedeutung hat Kindermöbeldesign heute?

Jannis Ellenberger: Design hält mit aller Macht Einzug in die Kinderzimmer. Allerdings wird es oft völlig falsch verstanden: Wir brauchen für unsere Kinder weder Mickey-Mouse-Möbel noch Bauhaus-Look. Das sind Projektionen von uns Erwachsenen. Was Familien wirklich benötigen, sind funktionale und formschöne Lösungen, die ihnen helfen, das Alltagschaos zu bewältigen – also multifunktionale und mitwachsende Möbel sowie solche, die reichlich Stauraum bieten.

Jörg de Breuyn: Ästhetische Aspekte sind wichtig, aber Kindermöbel müssen vor allem die Bedürfnisse der Kinder erfüllen: Sie müssen ergonomisch und sicher sein und auch der Spielfreude von Kindern entgegenkommen. Auch das ist ein wesentliches Element guten Designs!

Wie unterscheidet sich der Markt für Kindermöbel in Deutschland vom Markt für Erwachsenenmöbel?

Jannis Ellenberger: Die Bereitschaft, für Kindermöbel Geld auszugeben, ist geringer als bei der Anschaffung von Möbeln für den Rest der Wohnung. Der Markt für designorientierte Kindermöbel ist daher eher ein Nischenmarkt.

Jörg de Breuyn

Jörg de Breuyn

Jörg de Breuyn: Aktuell werden in Deutschland ca. 680.000 Kinder pro Jahr geboren. Diese Zahl zeigt, wie klein der Markt ist. Viele Hersteller und Händler stehen zudem auf dem Standpunkt, dass man mit Kindermöbeln –wenn überhaupt – nur im preiswerten SB-Bereich Geld verdienen könnte. Eltern, die etwas anderes suchen, werden auf dem Markt oft nicht fündig.

 

Wie ist das in anderen Ländern?

Jörg de Breuyn: In Deutschland wurde für Kinder schon immer weniger Geld ausgegeben. In den  mediterranen Ländern, in denen Kinder und Familie das Zentrum des Lebens bilden, ist das ganz anders. So sind Babymöbel in Deutschland fast ausschließlich im unteren Preissegment erhältlich. In Frankreich dagegen gibt es viele kleine Babyboutiquen, die extrem hochwertige Möbel verkaufen. Ähnlich ist es in China: Die wachsende Mittelschicht ist bereit, viel Geld für ihre wenigen Kinder auszugeben.

Auf welche Entwicklungen müssen sich Hersteller, Händler (und Designer) in Zukunft einstellen?

Jörg de Breuyn: Ich denke, dass Eltern ihre Bedürfnisse deutlicher formulieren werden – in Foren und sozialen Netzwerken passiert das bereits. Hersteller und Händler, die mehr Kindermöbel verkaufen wollen, werden also genau zuhören müssen. Darüber hinaus spielen auch weiterhin Themen wie Nachhaltigkeit und Schadstofffreiheit eine wichtige Rolle.

Jannis Ellenberger

Jannis Ellenberger

Jannis Ellenberger: Kinder werden künftig noch mehr als bislang im Mittelpunkt stehen – Stichwort Helikoptereltern. Damit wachsen sowohl das Interesse am Thema Kindermöbel als auch die Ansprüche an deren Qualität. Das zeigt sich bereits heute: Kindermöbel sind aktuell das am stärksten wachsende Segment in der Möbelbranche.

 

Im Vergleich zu Erwachsenenmöbeln spielt Kindermöbel-Design auf großen Plattformen eher eine untergeordnete Rolle. Welche Bedeutung haben vor diesem Hintergrund die Kind + Jugend und der Kids Design Award? 

Thomas Postert: Unser Ansatz ist es, Innovationen und Produktentwicklungen im Bereich Kindermöbel und -ausstattung zu fördern. Dafür ist die Kind + Jugend in der Branche traditionell bekannt. Die Kreativität in der Branche ist glücklicherweise sehr groß – uns geht es nun darum, auch die Marktfähigkeit und den Verkauf der Produkte voranzubringen. Deshalb bilden wir mit unseren Fördermaßnahmen – dem Kids Design Award, dem Designpark, der Sektion Junge Innovative Unternehmen, dem Innovation Award sowie dem Consumer Award – die komplette Produktionsentwicklungskette in diesem Segment ab.

Antworten auf die aktuellen Herausforderungen für Hersteller und Händler gibt es übrigens auch in unserem Trendforum. Experten aus Handel, Wissenschaft und Design halten hier Vorträge, beispielsweise zu internationalen Marktentwicklungen und aktuellen Trends.

Eine Antwort zu “Erfolgreich in den Markt mit dem Kids Design Award – Folge 4: Talkrunde: Welche Kindermöbel braucht der Markt?”

  1. oliver beil sagt:

    ein sehr schönes und interessantes interview. vielen punkten können wir als händler nur zustimmern.

    nette grüsse

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.