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Erfolgreich in den Markt mit dem Kids Design Award – Folge 5: Vom Entwurf zum marktgerechten Design

Ein modulares Möbelsystem für Kinder und Erwachsene, hochwertig, modern und kindgerecht – dafür wurde der Bremer Designer Jannis Ellenberger mit dem Kids Design Award 2014 ausgezeichnet. Der Kölner Kindermöbelhersteller Jörg de Breuyn bringt das Designkonzept als Produktpate zur Marktreife. Mit dem Designer und dem Hersteller sprachen wir über die Herausforderungen, die dieser Prozess in sich birgt.

ellenbergerdesign

Die Prototypen für Jannis Ellenbergers modulares Möbelsystem im „Verbrauchertest“

Zwischen einem ersten Entwurf und einem fertigen Möbelstück liegen mitunter Welten. Herr de Breuyn, wie marktreif waren die Entwürfe von Jannis Ellenberger aus Ihrer Sicht?

Jörg de Breuyn: Jannis Ellenberger ist ein erfahrener Designer, dessen Entwürfe bereits sehr weit gediehen waren, es gab sogar bereits erste  Prototypen. Als ich sie im vergangenen Jahr auf der Kind + Jugend entdeckt habe, ist mir klar geworden, dass ein solches Möbelsystem gebraucht wird. Integriertes Wohnen liegt im Trend, da wachsen auch die Wohnbereiche von Eltern und Kindern stärker zusammen. Die Ästhetik von Kindermöbeln spielt dabei ebenfalls eine größere Rolle als noch vor einigen Jahren.  Darüber hinaus sehe ich auch Chancen im Objektgeschäft, beispielsweise bei der Möblierung von Wartezimmern in Arztpraxen oder Aufenthaltsbereichen in Hotels.

 

Herr Ellenberger, was wurde an Ihrem Entwurf bis zur Serienreife noch geändert? Und weshalb waren diese Änderungen nötig?

Jannis Ellenberger: Dass es nach Entwicklung der Prototypen aus kosten-, produktions- und versandtechnischen Gründen noch Änderungen gibt, ist normal. Dabei geht es vor allem um technische Details, also darum, welche Schrauben man verwendet, aber auch um die Wahl der Materialien. Die textilen Elemente hatte ich bei den Prototypen mit Filz kaschiert, doch das hätte die Möbel zu teuer gemacht. Deshalb haben wir uns für einen hochwertigen Möbelstoff entschieden. Hier bewegt man sich immer im Spannungsfeld von Markt- und Kostenzwängen auf der einen und ästhetisch-funktionalen Anforderungen auf der anderen Seite.

Jörg de Breuyn: Für die Vermarktung der Möbel sind außerdem noch weitere Elemente hinzugekommen. Damit die Möbel auch im Kinderzimmer aufgestellt werden können, haben wir noch ein Bett mit aufgenommen und bieten statt der Stühle Hocker an. Für den Objektbereich sind noch Zeitschriftenständer hinzugekommen.

 

Wie viel Ellenberger und wie viel De Breuyn stecken in den Möbeln?

Jörg de Breuyn: Das meiste stammt von Jannis. Seine Idee des modularen Systems und die Ästhetik wurden nicht verändert. Auch Proportionen und Maße sind geblieben …

Jannis Ellenberger: … im Grunde kann man sagen, dass das Konzept von mir stammt und Jörg hat sein Fachwissen und seine Erfahrung hinsichtlich der Produktions- und Marktanforderungen eingebracht. Das marktgerechte Design haben wir dann gemeinsam umgesetzt.

 

Sie haben das Spannungsfeld zwischen ästhetisch-funktionalen und Marktanforderungen angesprochen. Bedeutet das für Sie, dass sie Kompromisse eingehen müssen, die sie lieber nicht eingehen würden?

Jörg de Breuyn: Design und Vertrieb – es ist nicht immer einfach, hier einen Kompromiss zu finden. Dabei geht es natürlich auch darum, wie weit der Hersteller in das gestalterische Konzept eingreift: Es macht einen Unterschied, ob nur eine Nuance verändert werden soll oder etwas Grundsätzliches, etwa ob die Möbel mit Buchen- statt der Eichenfüße gebaut werden.

Jannis Ellenberger: Natürlich gibt es Elemente, die nicht zur Disposition stehen. Doch als Designer muss man auch pragmatisch an die Sache herangehen. Schließlich will man ja auch, dass die Produkte verkauft werden. Ich sehe mich da eher als Partner, der maßgeschneidertes Design für individuelle Kundenaufträge  gestaltet und den gesamten Designprozess bis zum marktreifen Produkt von Anfang bis Ende begleitet. Von daher erlebe ich eher selten Einschränkungen oder Reibungspunkte mit Herstellern.

 

Herr De Breuyn, was wünschen Sie sich als Hersteller von Designern?

Jörg de Breuyn: Etwas mehr Pragmatismus so wie bei Jannis. Schließlich geht es im Einrichtungs-Business nicht um die reine Form, sondern auch um Funktionalität und Vermarktbarkeit. Ein Beispiel: Designer gestalten am liebsten Tische und Stühle, denn dabei können sie am besten zeigen, was sie drauf haben. Bei Möbeln für Kinder sind jedoch Betten und vor allem Aufbewahrungsmöbel  sehr wichtig. Die sind schwieriger zu gestalten, aber genau das, was der Markt braucht.

 

Herr Ellenberger, was würden Sie Kindermöbel-Designern aus Ihrer Erfahrung heraus empfehlen?

Jannis Ellenberger: Zuallererst müssen Kindermöbel den Bedürfnissen der Kinder gerecht werden. Daher ist es wichtig, sich den kindlichen Blick anzueignen und Räume aus ihrer Perspektive zu betrachten. Da die Kindermöbel von den Eltern gekauft werden, sollten sie zudem so gestaltet werden, dass sie auch Erwachsenen gefallen. Das gilt umso mehr, wenn die Möbel in den Wohnbereich der Eltern integriert sind. Da Kinder nicht einfach nur rumsitzen, sondern auf den Möbeln herumklettern, haben Sicherheit und Funktionalität ebenfalls höchste Priorität. Hier empfehlen sich zum Beispiel stoffüberzogene Fronten, die Kanten abfedern und auch laute Geräusche etwas dämpfen.

 

Wie sehen Sie das? Welche Anforderungen stellen Sie an marktgerechte Kindermöbel? Was erwarten Ihre Kunden? Wir freuen uns über Ihre Diskussionsbeiträge!

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